You Witness News
So, You Witness News ist online. Gerade mal ein wenig rumgespielt. Das ganze funktioniert so:
Der Bürgerjournalist in spe muss ein Flickr-Konto haben. Danach muss unter yahoo/witness dieses Flickr-Konto freigeschaltet werden. Die Redaktion bekommt damit die Rechte, das Portfolio zu durchstöbern und die Fotos kommerziell zu verwerten.

Screenshot You Witness – Genehmigung für die kommerzielle Verwertung von Bildmaterial. Rosa Hervorhebung von mir.
Gedanken:
1.) Flickr, die Bildagentur
Zunächst sieht das ganze aus wie ein billiger Trick, um die Leute, die noch kein Flickr-Konto haben zu überreden sich eines anzulegen bzw. den Flickr-Usern noch einen Mehrwert anzubieten. IMHO steckt aber etwas ganz anderes dahinter. Dass Flickr schon seit längerem darüber nachdenkt, die Community in eine Art Bildagentur umzuwandeln ist bekannt. Das ganze steht natürlich vor riesigen Problemen (Keywording, Rechte usw). Mit You Witness umgeht man diese Probleme leicht: Yahoo und Reuters holen sich jetzt explizit die Genehmigung ein die Fotos kommerziell zu vermarkten.
2.) Aus den Fehlern der Vorreiter gelernt
Als der Stern mit seinem Citizen Journalism Portal Augenzeuge online gegangen ist, hatte ich geschrieben: Nehmt die Novizen an die Hand! […] Es wird also eines deutlich: Es reicht nicht ein (technisch exzellentes) Portal aufzubauen um Bilder von Hobbyfotografen zu vertreiben. Vielmehr ist es nötig, die Novizen an die Hand zu nehmen und ihnen die Basics zu vermitteln. Wir können nicht erwarten, dass Amateure ohne Anleitung die Arbeit (und Qualität) von Profis abliefern.
Yahoo und Reuters haben das getan. Auf der Startseite des Portals finden sich einige ganz gute Tipps wie man eine (Video) Reportage durchführt, Richtlinien für den guten Journalisten usw. Das finde ich gut.
3.) Kostenlos für andere arbeiten
Wie kann es sein, dass zwei Giganten wie Yahoo und Reuters solch eine Plattform entwickeln und die allerwichtigste Frage noch nicht geklärt ist? Geld. Hey, ihr könnt nicht tausende von Bürgerjournalisten akquirieren und die Leute im Unklaren darüber lassen, ob und wie die Arbeit honoriert wird. Da sind Bild-Zeitung und Stern (Augenzeuge) fairer.
Wette
So, und jetzt gebe ich mal einen Tipp ab: Wenn das ganze gut anläuft, werden wir eine zweite Plattform sehen: Die Yahoo Bildagentur, in der jeder Flickr-Fotograf seine Bilder verkaufen kann. Wird genau nach dem Prinzip von You Witness News funktionieren. Nur das dort jede Art von Fotos eingestellt werden kann. Wettet jemand mit mir??
Update:
You Witness Deutschland? Sieht derzeit noch nicht danach aus. Reuters Europe und Yahoo Amiland halten sich zurück. Lediglich Sarah Schweiger von Yahoo Deutschland hat mir geantwortet: “In Deutschland wird derartiges derzeit nicht angeboten.” (Äh ja, das sehe ich auch)
Update 2
Der Deutsche Journalisten Verbund hat mittlerweile Stellung bezogen:
Bilder von Hobbyfotografen haben im Nachrichtenjournalismus nach Einschätzung des Deutschen Journalisten-Verbandes nichts zu suchen. „Es ist nicht nachvollziehbar“, erklärte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken, „dass die Nachrichtenagentur Reuters jetzt auf das Bildmaterial von Hobbyknipsern zurückgreifen will.“ So werde die Arbeit von gut ausgebildeten und professionell arbeitenden Bildjournalisten entwertet. „Der qualitative Unterschied zwischen einem Pressefoto und einem Schnappschuss wird so zunichte gemacht“, sagte Konken. Er appellierte an Reuters, den erreichten Qualitätsstandard bei den Pressefotos nicht ohne Not aufs Spiel zu setzen.
BTW: Wer nicht den Umweg über Flickr gehen will, kann seine Bilder auch direkt zu Reuters schicken: pics@reuters.com

Oh Hilfe, der nächste user generated content Ableger nach dem AAL Prinzip (Andere Arbeiten Lassen) geht online.
Die sollen sich bitte mal flott ein Honorarmodell einfallen lassen.
Und Ja, ein Flickr Bildagentur Geschäftsmodell wird schon lange erwartet und auch gefordert. Dann müssten sie allerdings auch ein komplett neues Rechte-Verwaltungsmodell aufsetzen und das scheuen sie wahrscheinlich wie der Teufel das Weihwasser.
Nebenbei: Mit der Erlaubnis auf alle öffentlichen Bilder zuzugreifen handelt sich der Flickr User als auch die Verwerter schnellstmöglichen Ärger wg. der Verletzung der Rechte Dritter ein, falls sie tatsächlich kunterbunt aus den privaten photo streams veröffentlichen.
Ja, der nächste AALer. Das mit dem Honorarmodell stinkt zum Himmel. Komischerweise fallen die Reaktionen in der Blogosphäre viel milder aus als noch bei Max. …irgendwie scheint sich jeder mit AAL abzufinden. Schade das.
Naja, das mit dem Rechtemodell wäre nicht so schwierig. Die müßten ja einfach nur neben jedes Foto in der Admin ein Button bauen, mit dem man Bilder für eine Bildagentur freigeben kann.
Nun, ich habe Deinen Artikel schon seit ein paar Tagen hier offen im Browser. aber ich muss mich halt mal noch etwas tiefer reinwühlen, bevor ich dazu was schreiben kann.
In Sachen Rechtemodell gibt es doch noch ein paar Einschränkungen, die der Rechteinhaber evtl. machen möchte: Sperren, Länderrechte und -Ausschlüsse, Ausschlüsse von Branchen (Auftraggeberschutz), model releases, propertyy releases … und all das zieht einen Rattenschwanz von zu verwaltenden Rechten hinter sich her.
ich könnte nur noch kotzen wenn ich sehe wie hier unser berufszweig kaputtgemacht wird, als ich als pressefotograf angefangen habe, habe ich noch in der badewanne entwickelt und meine bilder per ower night verschickt, heute kann jeder depp ne aldi knipse kaugen und sich “journalist ” schimpfen, da geht mir langsam die hutschnur hoch.
ich kauf mir jetzt ne zange und werde zahnarzt.
gruß horst
Ja, einerseits stimme ich Dir da zu. Andererseits gibt es auch durchaus Gelegenheiten, in denen ich als Fotoredakteur ein Amateurfoto kaufen würde. Einfach, wenn es kein Foto eines Fotojournalisten gibt. Problematisch ist für mich mehr das ausspielen von Berufsfotografen gegen Amateure.