Tipps fürs Fotoshooting, Shooting vorbereiten

Bildwerk3 hat bereits vor einer Weile eine Interviewserie gestartet in welcher Fotografen einen standardisierten Fragekatalog beantworten. Bemerkenswert fand ich, dass Edgar E. Herbst und Nico Pudimat auf die Frage: „Welche Ihrer Fähigkeiten ist Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten behilflich?“ ähnlich antworten:

Herbst:

Es ist die Fähigkeit zu kommunizieren mit seinem Gegenüber, das Gespür für den Moment und der Glocke des Vertrauens als Himmel des Bildmachens.

Pudimat:

Zum einen mag ich Menschen, ich verstehe es, sie zu lenken und am Set eine positive Stimmung zu schaffen. Zum Beispiel “schieße” ich direkt ins Notebook. Bilder, die den Portraitierten nicht gefallen lösche ich sofort: das schafft Vertrauen.

Dieses „Vertrauen schaffen“ ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für den Erfolg jedes Shootings. Ich habe sehr, sehr lange gebraucht um das zu verstehen und in die Tat umzusetzen. Jeder Fotograf hat sicherlich seine eigene Vorgehensweise. Hier mal meine Vorgehensweise:

 

    1.) Vorstellen

 

Hört sich banal an, aber auch das will gelernt sein. Ich habe mir das ein wenig von den Textern angeschaut (die bei meinen Aufträgen ja meistens mit dabei sind – bzw. umgekehrt: ich als Fotograf bin das „Anhängsel“ :-) Anfangs fand ich es immer komisch, dass Redakteure erstmal ein oder zwei Minuten einen Monolog halten was sie schon alles gemacht haben und für wen sich gearbeitet haben. Ich hielt das für eine Art angeben, darstellen. Aber das ist es nicht – es dient mehr dazu um den Gegenüber das Gefühl zu geben, dass man selbst jemand ist der professionell arbeitet, dass man weiß was man tut und das es einen Grund gibt warum die Redaktionen einen selbst und nicht jemand anderen ausgesucht hat um Bilder zu machen – kurz: dass man ein Profi, und kein Schluri ist.

    2.) Arbeitsweise erklären

 

Ich erkäre den Leuten mit welcher Technik ich die Fotos mache. Zwei Beispiele:

Ich arbeite viel mit Weitwinkel, was teilweise komisch wirken muss, da ich oft so nah an den Leuten dran bin, dass sie das Gefühl haben müssen gar nicht mehr auf dem Bild mit drauf zu sein. Ich erkläre also gleich zu Anfang, welchen Bildwinkel das WW hat und das sie auf jeden Fall drauf sind, obwohl das vielleicht nicht so wirken man. Irritationen können so gar nicht erst entstehen.

Zweitens: in Räumen wird wohl jeder mit indirektem Blitzlicht arbeiten, klar. Ich gehe darauf aber nochmals näher ein und erkläre die Vorzüge (weiches Licht, keine Schlagschatten, angenehme und warme Atmosphäre auf den Fotos). Vor allem bei älteren Frauen bemerke ich manchmal ein „aufatmendes erleichtert sein“ wenn ich so was sage wie: „… das Licht macht übrigens auch eine glatte und schön weiche Haut. Außerdem ist das Licht nicht weiß sondern leicht golden eingefärbt– das ergibt auf dem Foto einen sehr schönen Farbton.“

    3.) Zeige niemals deine Fotos

Die berühmte Dreierregel (okay, okay, ist nicht berühmt, eher meine Regel ;-) Auf dem Ersten hat derjenige seine Augen zu, auf dem Zweiten guckt er komisch und lediglich das dritte Foto passt. Früher habe ich den Fehler gemacht, auf Wunsch die Fotos noch auf dem Display der Kamera zu zeigen – aber jemand der sich unvorteilhaft sieht, wird unentspannt, angespannt, verkrampft. Deshalb zeige ich meine Fotos nicht mehr, v.a. nicht wenn ich noch vorhabe weiter zu shooten. Wenn man Fotos doch zeigt: nicht-perfekte Fotos sofort löschen (siehe oben) und ein paar beschwichtigende Worte (ohje, da habe ich wohl im falschen Moment abgedrückt. Das löschen wir am besten sofort..) – einfach damit derjenige genau weiß, dass du ihn nicht kompromittieren willst, sondern auch daran interessiert bist ihn vorteilhaft darzustellen.

    4.) Einbinden in Wahl des Settings und Motivs

 

Die besten Ideen für ein gutes Setting, Arrangement kommen oft vom Portraitieren selbst. Sicherlich sollte man das nicht beim ersten Motiv machen, aber wenn man bereits einige Stellungen fotografiert hat, kann man denjenigen einbinden. Ich fange dann immer an „laut zu überlegen“ (Hmm, wie mache ich das den jetzt am besten. Ich würde sie noch gerne so darstellen und mit dem Foto dies und jenes rüberbringen. Ich frage mich gerade wie man das am geschicktesten macht…)

5.) Loben, Komplimente machen

Es muss komisch auf jemanden wirken, wenn man still vor sich hinarbeitet. Deshalb streue ich oft Komplimente ein: „Genauso habe ich mir das vorgestellt“, „Ja, genau ist der Blick den ich wollte“, „Der Pullover passt wirklich gut zu dem Hintergrund“, „Perfekt, Sie machen es mir wirklich einfach! Es macht mir Spaß mit Ihnen zusammenzuarbeiten.“, „Moment, ich schau mir das Foto gerade mal an. Ach, perfekt, genau das was ich wollte…“.

Jeder hat sicherlich seine ganz eigene Art zu arbeiten, würde mich interessieren, was ihr noch so macht um Vertrauen und eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.

3 Kommentare
Martin 04.09.2007

Am Telefon schon skizzieren, in welchen Situationen in welchem Zeitrahmen fotografiert werden soll.
(Ab einer halben Stunde wirds bei Nichtprofis kritisch!)
Kleidung: nicht weiß, nicht schwarz etc.
Pünktlich sein.
Zu früh nur nach telefonischer Absprache, sonst 5 Minuten nach! vereinbartem Termin.
Vorher aufs Klo gehen!
Mit kleiner Ausrüstung anrücken.
Licht erst holen, wenn klar ist, dass es aufgebaut werden muss.
Gespräch über Themen, um die es geht, sich unaufdringlich! für die Leute interessieren.
Ich rede nicht über mich!
Überhaupt: unaufdringlich und rücksichtsvoll im Auftritt (und Aussehen), Sicherheit in dem was man tut. (Vorbereitung der Ausrüstung!)
Vorsicht mit dem Mäusekino: wenn einer auf einen Bildschirm schaut, und sei er noch so klein, unterbricht das den Kontakt, wirkt befremdlich, gar bedrohlich! (Ich sehe was, was Du nicht siehst)
Kurz Histogramm checken geht mit Seitenblick.
Edieren kann ich nicht! in der Kamera. (Um Gottes Willen unter gar keinen Umständen Bilder in der Kamera löschen!)
Viel loben.
Merken, wenn es zu viel wird.
Wenn unbedingt nötig: ich sehe, Sie haben genug. Können wir noch eine allerletzte Sache ausprobieren?
Wenn die Leute mental erschlafft sind, sind die Bilder eh nichts mehr wert.
Einladungen (Kaffee?) sind freundlch gemeint und wir haben tausend Gründe, sie aufs Freundlichste abzulehnen.
Herzlichen Dank, es hat mich sehr gefreut, eine paar Bilder für privat kommen per Email oder Drogerieabzug.

Markus 05.09.2007

Interessante Tipps von euch beiden! Danke!

Tim / FOTOGRAFIE - Blog 09.09.2007

Danke Martin für die ausführliche Beschreibung!! Eines vielleicht noch: Spannungsbogen aufrecht erhalten. Wenn man einmal eine Pause macht, kann man vergessen nochmals weiterzushooten.

Dein Kommentar, Meinung, Frage:



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