Revolutionäres Honorarmodell für Online-Fotos

gumgum.jpg Honorarmodelle für die Nutzung von Fotos für Printprodukte sind transparent und fair. Der Lizenznehmer gibt einige Parameter wie Auflage, Druckgröße und Verbreitung an und die Bildagentur kann anhand dieser ein auf ihn zugeschnittenes und faires Preisangebot machen.

Also: ich brauche ein Foto für den Umschlag eines Buches mit einer Auflage von 30’000. Fotograf / Bildagentur schaut in MFM-Liste nach, wählt Preis, fertig. Erscheint eine zweite Auflage, wird nachgezahlt.

Der Vorteil: beide erzielen ein faires Ergebnis, ist doch der Preis exakt auf den Verwendungszweck, Verbreitung und Nutzung zugeschnitten.

Im Internet funktioniert das nicht, da es keine greifbaren Zahlen gibt, um eine wirkliche „Auflage“ zu berechnen. Zwar kann man auf frühere Daten zurückgreifen (Pageimpressions) und diese als Richtwert ansetzen, aber es bleiben zwei Probleme:

    1.) Diese Pageimpressions gelten für eine gesamte Webseite und nicht für die einer bestimmten Unterseite auf der ein Bild publiziert
    2.) Es kann nicht berechnet werden, wie oft auf eine Seite in Zukunft zugegriffen wird.

Folge: Honorare für Internetnutzung waren und sind ein komisch zusammen gefrickeltes Konstrukt, das nicht die Realität (sprich die reelle Nutzung) repräsentiert.

So, und hier die Revolution:

Eine Bildagentur setzt einen Preis für Tausend Zugriffe (Pageimpressions) fest – d.h. wird das Bild tausend Mal angeschaut, dann kostet das einen bestimmten Betrag. Der Veröffentlichende erhält nun aber nicht das Bild selbst, sondern einen kleinen Code, mit dem das Bild in eine Webseite eingebunden wird. Die Bildagentur rechnet nun pro Tausend Einblendungen ab. Bildagentur/Fotograf sind zufrieden, werden sie doch gerecht entlohnt, Webmaster ist zufrieden, muss er doch nur dafür zahlen, was er wirklich nutzt. Weiterer wichtiger Vorteil: der Webseitenbesitzer kann jederzeit die Nutzung beenden – egal aus welchem Grund (Seite wird gelöscht, Preis zu teuer etc.).

gumgum.jpg

In der Online-Werbung besteht dieses Modell seit Jahren; lediglich andersrum: für die Einblendung eines Banners wird pro 1000 Views gezahlt. Näheres hier.

Anführer der Revolution ist die amerikanische Firma GumGum, hier das Geschäftsmodell in einem Dreiminüter:

Aus dem GumGum-Blog:

GumGum is focused on content licensing. More specifically, GumGum solves the very real problem of how content is licensed for the Internet. Offline, content is licensed for a finite period of time to a predictable audience. These parameters enable content-owners and publishers to come up with reasonably good pricing arrangements. On the Internet, however, content lives forever and usage is unknown. And herein lies the problem: How do you fairly price a license when circulation is unknowable?

Es geht aber noch weiter: GumGum bietet die Möglichkeit Fotos kostenlos zu nutzen. Hierbei werden kleine Werbeanzeigen als Layer auf dem Bild eingebunden.

GumGum offers two monetization models: Pay-Per-Use and Ad Overlay. With Pay-Per-Use content owners set a CPM and publishers can license unadulterated media. The second monetization option is Ad-Overlay in which we display a non-invasive [video] ad on top of media and monetize content that way – publishers can license media free with this option. With either model content-owners realize the full value of their content over time.

Hammer, bin begeistert. Wieso noch niemand vorher auf den Gedanken gekommen ist, das TKP-Modell von Bannerwerbung für Bilder umzukehren, erscheint bei der simpel-cleveren Idee von GumGum verwunderlich.

Ich bin sehr gespannt, ob dieses Modell sich durchsetzt. Fair, clever und simpel genug wäre es.

Wie seht ihr das? Potential, Chance, Risiko??

15 Kommentare
rf 20.02.2008

gumgum: Alte Hüte oder Revolution?…

Das Fotografie-Blog berichtet von einem “revolutionären Honorarmodell für Online-Fotos”, umgesetzt von der US-amerikanischen Agentur gumgum. Das macht neugierig.

Worin besteht nun das revolutionäre Honorarmodell? Zunächst einmal darin, dass ve…

Kai 20.02.2008

Ich befürchte, dass das Modell nicht funktionieren wird, da der Seitenbetreiber die Kosten nicht kalkulieren kann. Nehmen wir einen Blogger, der mit einem Beitrag einen Glückstreffer landet und bei digg, del.icio.us, stumble upon etc vorne auftacht, und so mit einem mal einen x -fachen Besucheransturm hat… Der wird sich auf die Abrechnung freuen….
Für den Fotografen sieht doe Sache natürlich anders aus, ihm würde so ein Model zugute kommen.

Tim / FOTOGRAFIE - Blog 20.02.2008

Danke für den Input! Zunächst: der obige Trackback funktioniert bei mir nicht – 403, The page isn’t redirecting properly. Manuell navigieren zu: http://www.realfragment.de/blog/index.php

Zunächst einmal ist das Honorarmodell für mich ein gedankliches Konstrukt. Ich erwarte da noch nicht, dass bereits alles durchdacht ist / perfekt funktioniert. GUmgum scheint ein kleines STartup, von daher sollte man vielleicht hier und da ein Auge zudrücken.

Kai: bin mir sicher, dass man da relativ problemlos eine SPerre einbauen kann, also ein LImit ab dem automatisch ausgesetzt wird. Bzw. kann man dann im Falle eines Ansturms auch problemlos auf die werbefinanzierten Bilder umstellen.

pgs / realfragment 20.02.2008

Korrekt: Es gibt eine Sperre, ein Limit, das man setzen kann. Danach entweder garnix mehr oder mit Werbung.

Christian Beier 21.02.2008

Auf der Fahrt mit der S-Bahn zur Arbeit als ich den Artikel gelesen habe, habe ich mich geärgert das ich nicht selbst auf die Idee gekommen bin. ;-)

Ich weiß aber nicht, ob das Verfahren gegenüber dem Kunden auf großes Interesse stößt. Schließlich muss er einen “fremden” Code in seine Seite einbinden, was wiederum eine längere Ladezeit bedeutet, da noch ein anderer Server mit im Spiel ist. Und was ist, wenn der Service einmal ausfällt?

Bei Banner ist die Schwelle zur Einbindung eines fremden Codes inzwischen geringer. Bei Fotos muss sich dieses erst noch entwickeln.

Frederik 21.02.2008

“1.) Diese Pageimpressions gelten für eine gesamte Webseite und nicht für die einer bestimmten Unterseite auf der ein Bild publiziert”

Warum das? Es lassen sich doch genause die Impressions für eine bestimmte Seite herausfinden. Da reicht schon Google Analytics.

Ich schließe mich außerdem Christians bedenken an, dass fremder Code häufig etwas kritisch beäugt wird aus den oben genannten Gründen.

Tim / FOTOGRAFIE - Blog 21.02.2008

Schließlich muss er einen “fremden” Code in seine Seite einbinden, was wiederum eine längere Ladezeit bedeutet, da noch ein anderer Server mit im Spiel ist. Und was ist, wenn der Service einmal ausfällt?

Ja, natürlich ist das eine Schwachstelle. Andererseits hat sich das in letzten Jahren ja auch stark geändert: flickr, youtube, adsense finden sich ja mittlerweile auf einer VIelzahl von Webseiten…

Frederik: Ja, natürlich ist es mögich zu messen – allerdings:

1.) Wie sollen die Daten an die Bildagentur übermittelt werden? Wieso sollte diese dem Webmaster trauen, dass nicht in Wirklichkeit die Webseite viel öfter aufgerufen wurde.

2.) Ist so die Messung ja auch wieder nur im Nachhinein möglich – gumgum läuft aber in REaltime.

Christian Beier 21.02.2008

Ich habe mir gerade noch das Video angeschaut und gleich noch ein paar Schwachstellen des Dienstes entdeckt.

Technisch wäre es kein Problem, wenn das Bild vom GumGum-Server abgerufen wird und dabei jeder Aufruf für die Abrechnung mit geloggt wird. Nachteil dabei ist aber, dass dieses Bild wie jedes andere auch per Rechtsklick schnell und einfach gespeichert werden könnte. Somit wäre das Bild vor einem Diebstahl nicht geschützt und der Lizenznehmer könnte die Kosten damit recht einfach drücken.

Damit das nicht passiert wird das Bild nicht als Bild, sondern als Flash-Datei eingebunden. Flash setzt wiederum ein auf dem Computer des Betrachters installiertes Plugin voraus. Ok, es ist mit 90% sehr verbreitet. Aber zur Barrierefreiheit einer Website trägt dies nicht gerade bei. Und bei vielen Anwendern die Werbeblocker installiert haben, werden Flash-Videos sowieso beim Laden der Seite geblockt und müssen erst per Hand “eingeschaltet” werden.

Juergen Stumpe 22.02.2008

Die Idee hört sich für den Moment wirklich gut und fair an, wird aber vermutlich nicht funktionieren.

Der Grund:
Kunden wollen im Vorfeld in der Regel einen fixen Betrag (also das anfallenden Nutzungshonorar) genannt bekommen, mit dem sie kalkulieren können und müssen. Das gleiche gilt im Übrigen auch zunehmend für Print-Nutzungen.

Technisch mag das Abrechnungssystem (bei allen oben genannten Problemen) ggf. machbar sein, menschlich und kaufmännisch (zu hoher Aufwand) wohl kaum. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Abwarten…

Nur bezahlen was wirklich angesehen wurde. | YochitosWay.de - Kino, Musik, Web 26.02.2008

[...] Fotografie-Blog bin ich auf eine gute Idee gestoßen. Oftmals sucht man ja gute freie Fotos für sein Blog oder [...]

Tim / FOTOGRAFIE - Blog 28.02.2008

Christian: Ja, Flash ist ein großer Nachteil. Eine Frage: theoretisch müsste doch der Zugriff eines Robots auch als View gewertet werten, sprich kosten. Oder ist das bei flash nicht so??

Juergen: DAs kommt darauf an – sicherlich würder der SPON mit einem fixen Betrag rechnen wollen – da gebe ich dir recht. Bei einer kleineren Seite / Blog könnte ich mir allerdings vorstellen, dass gerade darauf spekuliert wird, dass man nur wenig zahlen muss, weil auch nur wenige PageImressions.

Sandro Achilles 06.03.2008

Generell ist ein Bild, was im Internet publiziert wird sowiso weg, bzw. unkontrollierbar… deshalb denke ich, dass sich Honorarmodelle für den Bereich Internet eher auf eine Enmalzahlung beschränken…
siehe fotolia oder auch aktlounge etc…

Andy Macht 18.03.2008

Und wie schneide ich ein Bild zurecht? Wie kann ich das Bild überhaupt bearbeiten? Wenn ich die Bilder einsetzen muss, wie sie kommen, ist das ganze System doch irgendwie unnütz, oder?

Fabian Mohr 23.03.2008

Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass dieses Modell funktionieren wird. Zwei Gründe: Zeitlich unlimitierte und unproblematische Nutzung von Bildern ist für Websitebetreiber sehr wichtig. Kein Mensch will Lizensierungsmodelle, bei denen er sich wegen der Bebilderung eine Story nochmal Gedanken machen muss, nachdem sie live gegangen ist. Die Gema hat für die Online-Nutzung von Musik einen ähnlichen Denkfehler in ihren Tarifen. Vor allem “bestraft” dieses Modell kurioserweise den Websitebetreiber dafür, wenn seine Inhalte gut laufen – dann wird es nämlich teuer. Oder er muss das Bild aus dem Artikel nehmen, weil er die Mehrkosten nicht tragen will. Dass Fotografen so ein Modell attraktiv finden, kann ich nachvollziehen – es geht aber m.E. völlig an den Realitäten im Online-Publishing vorbei. (Ich versuch gerade mir vorzustellen, wie das bei iTunes aussehen würde: Ich kann einen Titel für, sagen wir mal, 49 Cent runterladen – aber wenn ich den Titel mehr als 100 mal höre, muss ich nochmal 49 Cent nachlegen, usw… der Horror.)

nicht nur die schreibende zunft feilt an den preisen.. - annieone’s weblog 01.04.2008

[...] fotografie-blog kam mir heute dieser bericht über neue honorar-überlegungen für onlinebildvermarktung [...]

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