Retro Foto-Kamera für Android – Zwei Apps im Test – Instagramm-Alternativen

Android - Apps für RetrokamerasHand aufs Herz: die meisten Android-Smartphones liefern Fotos, die ein wenig unspektakulär daher kommen – oft sind Farben ein wenig flau und der Kontrastumfang ist niedrig. Apple-Jüngern mit einem Iphone stehen seit langem zig Kamera-Apps zur Verfügung, die die Bilder mit einem Retrolook verfremden und so ein wenig aufpeppen. Vorbild für die Effekte sind analoge Lomo-, Polaroid-, Loch- und Holgakamers, die die Fotos teilweise sehr stark verfremden. Von starken Kontrasten, Fehlfarben, Vignettierung bis hin Fehlentwicklungen ist wirklich für jeden Retro-Fan was dabei.

Die bekannteste App ist „Instagramm“ und hat eine wahre Retrowelle ausgelöst. Leider gibt es Instagramm noch nicht für Android. Mittlerweile haben sich aber auch zahlreiche Nachahmer Apps für Android gefunden, die das Original teilweise sogar toppen. Viele davon sind in der Basisvariante kostenlos, blenden aber Werbeanzeigen ein, um so ein wenig Geld zu verdienen.

Hier sollen die zwei besten Retro-Kamera-Apps “Vignette” und “Retro Camera” einem Test unterzogen und miteinander verglichen werden. Beide Apps liegen sowohl in einer kostenlosen, als auch einer Bezahlversion mit erweiterten Funktionen zum Download vor. Zum Einsatz im Test kamen ein HTC Desire und ein HTC Wildfire S.

App Retro Camera

Was bietet die Retro-Kamera? Zunächst mal kann man hier zwischen fünf verschiedenen Vintage-Kameras wählen. Neben dem ostdeutschen Klassiker “The Bärbl” stehen noch die Modelle “The Little Orange Box”, “Xolaroid 2000″, “The Pinhole Camera” (eine Lochkamera) und “The FudgeCan” zur Verfügung. Mit allen Modellen bis auf die Bärbel kann man sowohl Farb- als auch Schwarz-Weiß-Aufnahmen anfertigen.

 

  1. The Bärbl: Eine DDR-Kamera die auf Vignettierung, leicht zerkratzt wirkenden Film und einen leichten Retrolook setzt.
  2. The Little Orange Box: Eine sowjetische Kamera, die Bilder sehr aggressiv cross-processed und eine starke Vignettierung aufweist.
  3. Xolaroid 2000: Klar, inspieriert von Polaroid-Kameras. Harte Kontraste und blaue bzw. grüne Cross-Processing-Effekte.
  4. The Pinhole Camera: Eine Lochkamera.
  5. The FudgeCan: Bilder im Format 1:1 und produziert wunderschöne Retrolooks.

Die Kamera-App ist mit viel Liebe zum Detail gemacht: So schaut man nach dem Start der Kamera durch das virtuelle Gehäuse einer Retro-Kamera. Besonders schick: jedes Modell sieht anders aus und ist liebevoll und detailreich gestaltet. Am linken Rand kann man zwischen Farbaufnahmen und Schwarzweiß umschalten. Auf der rechten Seite findet sich neben dem Auslöser ein Button mit dem Aufschrift „Specs”. Hier haben die Macher der App nicht nur Beispielbilder, sondern auch Informationen über die Originalkamera hinterlegt. Der User kann in den Einstellungen regeln, ob der Blitz automatisch in zu dunkler Umgebung ausgelöst werden soll, oder ob er nur manuell ausgelöst wird. Zoomen hingegen ist – wie bei den Originalkameras ja auch – bei keiner der Kameras möglich.

Hat man sich für eine Kamera entschieden und ein Foto geschossen, gelangt man über den Button links unten in eine Art Fotolabor. Hier werden die Fotos virtuell entwickelt und hängen anschließend nebeneinander zum „trocknen“ an einer Leine. Hier hat man auch die Möglichkeit, Fotos zu speichern oder über Facebook, Twitter oder Email zu teilen.

Während viele Retro-Kameras ein unübersichtliches Labyrinth an Untermenüs enthalten, ist diese App sehr einfach zu bedienen und übersichtlich gestaltet – frei nach der Maxime „Weniger ist mehr“.  Und im Gegensatz zu vielen sehr technischen Apps, lässt diese Kamera bereits beim Fotografieren richtiges Retro-Feeling aufkommen.

Die Retro-Kamera ist in zwei verschiedenen Versionen im Android-Markt herunterladbar: Einmal Werbefinanziert (es werden kleine Werbeanzeigen eingeblendet und die Auflösung ist auf 0,3 Pixel beschränkt) und einmal für 2,49€. In der Bezahlvariante

 

Positiv:

  • Echtes Retrofeeling
  • Einfache Bedienung
  • Jede Taste (z.B. „lauter“) lässt sich als Auslöser belegen

Negativ:

  • Lange Startzeit (3-4 Sekunden)
  • Extrem kleiner Sucher
  • Bilder lassen sich im Nachhinein nicht mehr bearbeiten
  • Nur die letzten 10 Bilder finden sich in der App-Galerie. Alle weiteren müssen über die interne Android-Galerie angesehen werden
  • Keine weiteren Einstellmöglichkeiten für Effekte (Kontrast, Helligkeit, Vignettierung)

Fazit:
Die App eignet sich für die Hippies unter den Lomo-Fans. Einfach zu bedienen und das Knipsen mit der Kamera macht einfach Spaß! Für Fotografe hingegen, die mehr Effekte und erweiterte Einstellungen vornehmen wollen, ist die App nichts – sie sollten lieber auf Vignette setzen.

 

App Vignette

Einfach zu Bedienen und mit einer Vielzahl Funktionen ausgestattet ist die App Vignette. Die Vollversion kostet 2,89 Euro, eine Basisversion ist kostenlos erhältlich App-Vignette arbeitet komplett anders als Retro-Camera. Das Menü erinnert mehr oder weniger stark an das Menü der Standard-Android-Kamera. Im Gegensatz zur Retro-Camera-App wählt man hier nicht vor dem auslösen einen Filter, sondern erst nachdem man ein Foto gemacht hat. Das bedeutet, dass man im Nachhinein Effekte und Rahmen wechseln kann – mag man einen Effekt nicht, sucht man sich einfach einen anderen raus.

Besonders toll: Vignette ist eine der ganz wenigen Apps, mit der man Fotos importieren kann und ein Bild so nachträglich bearbeiten und mit Effekten versehen kann. Einfach ein Bild downloaden oder auswählen, gewünschten Effekt auswählen, fertig! Praktisch ist zudem, dass man sich die Lieblingseffekte mit einem Shortcut direkt auf die Startseite seines Handys legen kann. Im Gegensatz zur Retro-Camera startet diese App auch wirklich schnell.

Nervig hingegen ist, dass es keine Vorschau für die Effekte und Rahmen gibt. Das bedeutet, dass man erst einmal jeden Effekt anwenden muss, um sehen zu können, was für ein Effekt das überhaupt ist.
Ein weiteres tolles Feature ist die Bildstabilisierung. Sobald aktiviert, löst die Kamera erst aus, wenn ein Bild wirklich scharf ist und man die Kamera ruhig hält. Verwackelte und unscharfe Fotos gehören damit weitgehend der Vergangenheit an.

App-Vignette bietet vier verschiedene Auslöse-Modi: Fash-Shot (gemachtes Bild wird nicht angezeigt, man kann sofort wieder auslösen), Selbstauslöser (2-60 Sekunden), Time-Laps (15-240 Sekunden) und ein normaler Modus.
Natürlich lassen sich auch mit dieser App die geschossenen Fotos direkt über Facebook, Twitter und Email teilen.

In der kostenlosen Variante werden gemachte Fotos nur in einer Auflösung von 0,3 Megapixeln abgespeichert. Sie eignet sich also nur, wenn man die Fotos auf Facebook teilen oder nur auf dem Handy betrachten will. Wer hingegen ein Bild in Originalgröße braucht, muss die Bezahlvariante der App downloaden.

 

Positiv

  • unzählige Effekte (68) und Bilderrahmen (56)
  • Bilder importieren und Effekte nachträglich hinzufügen
  • Viele Einstellmöglichkeiten und erweiterte Bedienung
  • Geotagging
  • Jede Taste (z.B. „lauter“) lässt sich als Auslöser belegen
  • Unterstützt die volle Auflösung der Kamera
  • Zoomen möglich
  • Import von bereits gemachten Bildern für nachträgliche Bearbeitung
  • Hilfslinien um einfacher Aufnahmen mit Goldenem Schnitt zu machen
  • Steady-Shot – keine verwackelten Fotos mehr

Negativ

  • Keine Vorschau der Effekte & Rahmen in der Auswahl
  • Liebloses Design, dass überhaupt nicht an Retro-Kameras erinnert

Fazit

Unzählige Effekte, zahlreiche erweiterte Funktionen und einfache + schnelle Bedienung. Vignette eignet sich daher für Fotografen, die wirklich Kontrollmöglichkeiten über ihre Fotos haben wollen. Größtes Manko an der Kamera ist, dass es keine Vorschaubilder für die Effekte gibt – das raubt einfach Zeit. Zudem ist die App ein wenig lieblos gestaltet. Ansonsten bekommt man für knapp 3€ eine richtig feine App.

Download der Kamera-Apps

Download App Retro Camera im Android Market (kostenlose Version)

Download App Retro Camera Plus im Android Market (kostenpflichtig)

Download App Vintage Camera im Android Market (kostenlose Version)

Download App Vintage Camera im Android Market (kostenpflichtig)

Links zu anderen Kamera-Apps im Retrostil

Camera 360 und hier (Kurzvorstellung)

Mit Android-Smartphones aufgenommene Fotos im Retro- und Vintagestil

 

4 Kommentare
Andreas 22.05.2011

Schöner Artikel! Für mich scheint sich eher Vignette zu eignen, werde mir trotzdem auch mal die Demo von der Retrokamera runterladen.

Susa 22.05.2011

I LIKE!

Trine 22.05.2011

Vielen Dank für diesen Artikel. Unter der Vielzahl der Foto-Apps hätte ich sonst nicht gewusst, was ich auswählen soll. Jetzt fällt die Wahl leichter und ich habe direkt Lust aufs Retro-Fotografieren bekommen!

georg 07.04.2012

Ich finde es noch cooler, 15 mm Aufstecksucher am iPhone zu befestigen und damit Super Weitwinkel zu knipsen.

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