Nikon Exposure

Feine Kameras, feinstes Essen und feixende Fotografen

In Zeiten in denen sich Kamerahersteller eine Materialschlacht um die beste Kamera liefern, wird persönliche Kundenbindung immer wichtiger. Nikon versucht Profifotografen mit dem Nikon Professional Service an das Unternehmen zu binden. Mitglieder erhalten eine schicke schwarze Mitgliedskarte, mit denen sie Serviceleistungen in Anspruch nehmen können (kostenlose Leihgeräte, Fachzeitschrift, 48-Stunden-Reperaturservice)- so zumindest die Theorie.

Jährlich findet auch die Nikon Exposure statt, eine Art Messe, auf der Nikon Profi Systeme vorgestellt und getestet werden können.

Ein persönlicher Rückblick auf die Nikon Exposure 2006 in München:

Ins edle Dorint Hotel hat Nikon geladen. Ein bisschen zu edel für mich, tragen die Portiers doch bessere Anzüge als ich. Pünktlich um 15.00 Uhr betrete ich das Dorint und bin überrascht von der großen Menge an Fotografen, die sich registrieren müssen bevor sie eingelassen werden. „Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Bitte bringen Sie diese Einladung mit.“ stand auf der Einladung die mir Nikon geschickt hatte. Brav haben auch die Fotografen vor mir ihre Einladung mitgebracht. „Die brauche ich nicht, sagen sie mir einfach ihren Namen.“, entgegnet die Dame am Empfang als Kollegen ihre Einladung vorzeigen. Sie bekommen ein silbernes Handbändchen umgeklipst. „Darf ich mir das auch ans Hemd machen?“, fragt der Kollege vor mir. „Ungern.“, entgegnet die Dame „…wissen Sie, das muss man schon immer sehen können.“ Diese Bänder mag ich nicht sonderlich, denke zurück an den letzten All-inklusive Urlaub wo ich das Band zwei Wochen lang tragen musste. Genervt hat es und ein weißer, ungebräunter Streifen blieb auch zurück. Aber ich schweife ab: ich stecke das Band in die Tasche, gehe an der Security vorbei und trete in die Nikon Halle.

Darüber hinaus präsentieren sich unsere Kooperationspartner Adobe, Lexar, Epson, Eizo, Profoto, Hensel und Wacom vor Ort.“, hatte Nikon geschrieben. Und so ist es auch. Hübsche Hostessen stehen hinter leeren Ständen. Eine lange Schlange steht geduldig vor zwei unscheinbaren Tischen. Der Check und Clean Service scheint begehrter als all die neuen Produkte zu sein. Auch ich reihe mich in die Schlange ein und finde gleich Kontakt zu Kollegen.

„Wie ein Kaffefahrt ist das hier“, scherzt ein Fotograf der sich auf Industrie spezialisiert hat. „Ich habe gehört, dass wenn man bis zum Ende durchhält eine Kamera geschenkt bekommt. Eine kleine, aus Schokolade.“, entgegnet eine Hochzeitsfotografin. „Das Essen am Ende ist bestimmt gut. Bei Canon zumindest war es das letzte mal richtig lecker.“, wirft ein dritter ein. Ein vierter schimpft über die D2X: „Scheiß Teil, drei Stück haben wir in der Redaktion und keines funktioniert richtig. Denen werde ich was erzählen!“. Nach einer halben Stunde bin ich an der Reihe. Saubermachen und meinen Handgriff reparieren. „Wir versuchen das mal. Wenn es nur die Kontakte sind machen wir das.“ versichert der Kameraspezialist.

Ein NPS-Mitarbeiter greift zum Mikro. „Ich heiße Sie herzlich willkommen..“ blablub. Niemand hört zu, jeder redet munter weiter. Er kündigt einen Vortrag über die D200 an und viele folgen der Einladung. Ein anderer NPSler hält den Vortrag. „Das ist kein Fotograf, sondern irgendso ein Wirtschaftler. Der weiß doch gar nicht wovon der redet.“, amüsiert sich ein Kollege neben mir. Ich gebe ihm recht; viel zu ernst, viel zu gediegen wirkt der Mann, der uns das neue Produkt vorstellen will. Ich würde ihm einen Preis verleihen, stellt er doch in der nächsten halben Stunde einen neuen Rekord im Powerpointpräsentation-schnell-weiter-clicken auf. Andere sind begeistert: „Die hoal’ i mir. Des is oan’ geiles Teil.“, flüstert jemand hinter mir.

Kurz herrscht Ruhe, Zeit um sich fragen auszudenken. Der Blauanzug verrät, das Nikon eine Kamera mit Vollformat – Sensor rausbringen wird. Damit ist der Vortrag doch noch lohnend gewesen. Beseelt gehe ich zum Nikon Stand. Kameras ausprobieren.

Viele Kameras und Objektive haben sie aus Dortmund mitgebracht. Alles was das Fotografenherz begehrt ist vorhanden: vom 10,5 mm Fisheye über Makros bis zur großen 400er Tüte, daneben einige D70, genug D2X, Zubehör und natürlich die lang erwartete D200.

Nikon NPS Exposure
Stand auf der Nikon Exposure

Alles ist elektronisch gesichert, mit langen Kabeln an einer Sicherheitsanlage verbunden. Ab und zu piepst es weil ein Fotograf versucht ein Objektiv von einem Ende des Tisches mit einem Body des anderen Endes zu benutzen. Ich schiebe meine Speicherkarte ein, knipse drauf los. Zwei große Mankos:

1.) Im Raum befinden sich unterschiedliche Lichtquellen. Neonlicht, Glühbirnen und natürlich das Blitzlicht. Ein Weißabgleich ist unter diesen Lichtverhältnissen nicht möglich. Alle Bilder, die ich mit nach Hause nehme, haben einen komischen Farbstichen. Frage: warum hat Nikon keine eigene Beleuchtung installiert? Aufwändig wäre das nicht und jeder Fotograf hätte saubere Bilder mit nach Hause genommen.

2.) Fotografen sind von Natur aus neugierig. Das müssen sie auch sein, sonst machen sie ihren Job nicht gut. Als Fotograf will ich die Kamera mit mir rumtragen, verschiedene Belichtungssituationen ausprobieren. Mein Kamerahändler hat das gut gelöst: die Kreditkarte wird mit einer Art Pfand belastet. Man kann dann die Kamera mitnehmen und ein paar Stunden testen. Sobald man die Kamera zurückbringt, wird der Pfand auf der Kreditkarte zurückgebucht. Sicher für den Händler ist das. Und der Fotograf kann unter realistischen Bedingungen testen.

Begeistert war ich allerdings vom Service Personal. „Eigentlich bin ich Fotograf, arbeite aber als freier für Nikon und stelle Produkte vor.“ Authentisch ist das, finde ich und bin froh, dass mir ein Mann aus der Praxis die Vorzüge der D200 erklärt. Nach zwei Stunden lege ich die Kamera beiseite. Bin und dank der Einweisung des NPSlers begeistert.

Abschluss bildet das Buffet. Nikon hat sich nicht lumpen lassen und hat leckerste Speisen aufgefahren. Ich treffe die Kollegen, die ich am Anfang kennen gelernt habe, wieder. Fotografen sind beruflich bedingt Einzelgänger. Umso größer ist deshalb meiner Meinung nach das Interesse, sich mit anderen über Ausrüstung und Berufsalltag austauschen zu können. Das fachsimpeln mit anderen Fotografen ist deshalb ein angenehmer Nebeneffekt solch einer Messe. Die Kollegin feixt noch immer: „Nur noch 20 Minuten. Dann bekommen wir endlich unsere Schokoladenkameras.“

Zum Schluss hole ich mein Ausrüstung beim Check-and-Clean Stand ab. „Das mit dem Handgriff haben wir nicht reparieren können. Das müssen wir in der Werkstatt machen. Gleich mitnehmen können wir das nicht, wir können Ihnen keine Quittung geben.“, erklärt der Nikon Service Partner. „Das macht nichts, ich brauche keine Quittung. Nehmt’s einfach mit.“, erwidere ich. „Das geht nicht. Schicken Sie das Gerät ein. Am besten mit der Kamera dazu. Ein Zweitgerät haben Sie ja wohl. Braucht heute doch jeder. Und die sind ja auch nicht mehr so teuer.“ Leicht genervt verlasse ich die Nikon Exposure, nehme auf dem Nachhauseweg noch einen dieser Werbegeschenkschirme mit.

Zuhause untersuche ich als erstes die gemachten Bilder. Farbstichig sind die. Alle Personen sehen aus, als würden sie von rosa Schweinchen abstammen. 142 mal drücke ich die DEL Taste. Meine Freundin untersucht derweil den Regenschirm. „Ob man wohl das aufgedruckte NPS abbekommt?“ sinniert sie und verwirft den Gedanken mit: „Du guck mal: der funktioniert gar nicht. Der lässt sich ja noch nicht mal öffnen“. Resigniert schmeißt sie ihn in den Mülleimer. Als ich meine Kamera verpacken will, fällt mir der Staub auf dem Gehäuse auf. Und tatsächlich: Objektive, Sensor, Gehäuse- alles ist so dreckig wie eh und je. Im Stress hat das Serviceteam wohl das Reinigen vergessen.

Ergo dieser Messe: Kundenbindung ist wichtig, will aber gelernt sein. Mit einfachen Mitteln kann man Fotografen zufrieden stellen. Noch einfacher allerdings vergraulen. Nikon Exposure- ob ich da wohl noch mal hingehe? Und ob die Kollegen die bis zum Schluss da waren vielleicht doch Schokoladenkameras bekommen haben, werde ich nie erfahren.

2 Kommentare
Thomo 10.01.2007

Aha… ich denke… wir sollten demnächst mal einen Nikon-Blogger Stammtisch machen :-)

Tim 18.02.2007

Ja, das müssen wir unbedingt mal machen ;-)

Dein Kommentar, Meinung, Frage:



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