Fotojournalismus: Bessere Verdienstmöglichkeiten als Leserreporter?

Ein Berliner Kollege von mir, der schon seit zig Jahren für die Bild-Zeitung arbeitet, meinte letztens zu mir:

Weißte was? Jetzt arbeite ich echt schon lange für die Bild. Habe alles mitgemacht. Vom Festen zum Freien und die ganzen Kürzungen. Ich habe mir damals eine digitale Ausrüstung zugelegt. Dafür bekamen wir von der Redaktion aber noch einen Zuschuss. Das läuft heute auch nicht mehr so. Ich arbeite immer noch gerne für die Bild-Zeitung. Aber das mit den Leserreportern ist für mich schon ein Schlag in den Magen. Für den Regionalteil muss ich normalerweise 8 oder mehr Fotos abliefern um auf 500 Euro zu kommen. Für den Bund auch mindestens 3. Wenn ich viel arbeite bekomme ich auch nur die Tagespauschale [liegt bei knapp 200 Euro]. Das ich mal 500 Euro für ein Foto bekomme ist wirklich die ganz, ganz große Ausnahme.

Ich stimme dem Kollegen da zu. Ich habe unter bestimmten Voraussetzungen nichts gegen Leserbindung oder Aktionen wie Leserreporter. Aber zwei Dinge fallen mir immer wieder auf:

1.) Die Leser bekommen einen völlig falschen Eindruck von den Verdienstmöglichkeiten unseres Berufes. Seitdem diese Leserreporter-Aktion läuft, halten mich Freunde und Bekannte für einen reichen Mann. Wenn ich 500 Euro für ein Foto bekommen würde, dann würde ich sechs Fotos pro Monat machen und hätte ausgesorgt – ein Traum. Der normale Fotojournalist hingegen verdient nicht wirklich viel (ich rede hier nicht vom Magazin-Fotografen der um die Welt jettet, sondern von einem ganz normalen Fotojournalisten).

Ich halte ein Gehalt von 2000 Euro für einen Freien einer Lokalzeitung und 4000 Euro für einen Freien einer großen Zeitung schon für einen sehr guten und überdurchschnittlichen Verdienst. Das Gros wird weniger verdienen. Und bitte nicht vergessen: wir reden hier von Freien, die Krankenversicherung, Rente, Büro, Auto, PC, Kamera selbst bezahlen.

2.) Ich empfinde es als eine Abwertung meiner Arbeit, wenn ich für ein Foto weniger Geld erhalte als ein Hobbyfotograf. Was macht man da? Mit dem Fotochef diskutieren, warum man nicht so viel Geld erhält wie ein Hobbyfotograf? Fotos unter einem Pseudonym einreichen um die Leserreporter-Lockprämie einzustreichen? Kein Witz: der Kollege von mir hat das bereits getan. Verkehrte Welt, oder??

4 Kommentare
Horst 07.01.2007

hallo tim,
genau diesen tipp habe ich auch bekommen, bilder als leser reporter einreichen und regulär als pressefotograf vor ort.
das packt einen ganz schön an seiner ehre als fotograf, aber man muss eben überleben.
gruß horst

Tim (FOTONEWS-Blog) 08.01.2007

Bloß nicht erwischen lassen ;-)

[...] Als “einzigartige Erfolgsgeschichte”, feierte “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann gestern das einjährige Jubiläum seiner Leserreporter. Die Kritik von Journalisten, etwa an der Dotierung der Leserreporter, weist Diekmann ab: “Sie bereichern uns und sie bereichern die Zeitung – ohne den professionellen Journalisten und Fotografen die Arbeit wegzunehmen.” Für bundesweit veröffentlichte Bilder zahlt die Zeitung bis zu 500 Euro und bis zu 100 Euro für Veröffentlichungen in den Regionalausgaben. [...]

Sara 02.09.2011

Viele sagen immer als fotojulournalisten
Verdient man sehr gut stimmt das jetzt oder
Nicht Oder kommt es drauf an wie bekannt
Man ist und für wenn man Arbeitet??
Bitte Beantworten lg Sara

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