Medien USA
Massenmedien in den USA und Deutschland
Eine Analyse von Massenmedien nach dem Grad der politischen Abhängigkeit vom Staat anhand von Beispielen an Deutschland und den USA Was sind Massenmedien und was ist der Unterschied zur Individualkommunikation? Im Gegensatz zur Individualkommunikation, die als ein Austausch von Informationen zwischen Sender und Empfänger beschrieben wird, stellen Massenmedien Massenkommunikation her. Massenkommunikation steht dabei nicht dafür, dass in einem Medium Massenkommunikation stattfindet, sondern lediglich, dass es massenhaft verbreitet ist, sprich sie ist
- öffentlich
- durch technische Mittel
- indirekt
- einseitig
- an ein verstreutes Publikum gerichtet
Bei der Massenkommunikation geht es im Gegensatz zur Individualkommunikation nicht um einen Austausch (Dialog) von Informationen, sondern um eine asymetrische Übertragung von Informationen. Da der Empfänger bei der Massenkommunikation keine unmittelbare Möglichkeit zur Reaktion hat, gibt es auch kein Interaktionsverhältnis.
Zu den Massenmedien werden klassischerweise Printmedien, Radio und Fernsehen gezählt, wobei Angebote der jeweiligen Medien im Internet ebenso dazuzählen. Strittig ist die Frage, ob neue Kanäle wie Blogs zu Massenmedien zählen, da sie eine Interaktionsmöglichkeit bieten und v.a. im amerikanischen Raum in der jüngsten Vergangenheit dazu benutzt wurden um Nachrichten zu lancieren, die von den klassischen Massenmedien zunächst nicht behandelt wurden.
Massenmedien nehmen bei der politischen Meinungs- und Willensbildung eine wichtige Rolle ein. Umfassende Informationen und die Verbreitung von Meinungen sind durch Massenmedien erst möglich geworden. Daher bezeichnet man eine moderne Demokratie auch als Mediendemokratie.
Die Themenselektion (Gate-keeping) der Massenmedien ist in tragender Rolle mitverantwortlich für die gesellschaftlichen Themen, die von einem großen Teil der Bevölkerung wahrgenommen werden und von ihr zur politischen Meinungsbildung herangezogen werden. Insgesamt gibt es fünf wesentliche Funktionen der Massenkommunikation:
1.) Sozialisation
- Informationen und Vermittlung von Werten
2.) Information und Bildung
- Bereitstellung von Fakten-, Transfer- und Orientierungswissen
- Transparenz
- Vermittlung von politischen Prozessen und Strukturen
- Befähigung zur Partizipation am politischen System
3.) Meinungsbildung
- Massenmedien bieten eine Plattform für Meinungsaustausch
- Strukturieren Wissen damit der Empfänger am politischen System teilnehmen kann
- Förderung des Pluralismus durch Präsentieren neuer oder abweichender Meinungen
4.) Kontrolle und Kritik
- Kontrolle der politischen Akteure (Doppelfunktion: einerseits wird den politischen Akteuren Gelegenheit gegeben ihre Mitspieler im ZPES zu kritisieren, andererseits kontrolliert die Presse selbst das ZPES)
- Sachkritik
- Personalkritik
5.) Unterhaltung
Organisationsformen von Massenmedien nach Grad der politischen Abhängigkeit am Beispiel von TV
Der Grad der Abhängigkeit steigt an von:
1.) Private Organisation ohne Auflagen (Piratensender)
2.) Private Organisation mit Auflagen (Privat-kommerzieller Rundfunk wie in den USA oder Italien)
3.) Private Organisation, die gesetzlichen Auflagen unterliegt (Privat-kommerzieller oder Privat-rechtlicher Rundfunk). Beispiel Deutschland und GB. Er ist nicht durch öffentliche Hörfunk- und Fernsehgebühren finanziert, sondern durch Werbung. Allerdings ist eine Lizenz der verantwortlichen Landesmedienanstalt notwendig, welche dann auch das Programm beaufsichtigt. Der Privatsender ist in der außenpluralistischen Struktur nicht zur inhaltlichen Ausgewogenheit verpflichtet, aber er muss trotzdem ein Mindestmaß an Sachlichkeit gewährleisten. Konkret: in Deutschland drohte RTL2 der Entzug der Rundfunklizenz, da zeitweise keine Nachrichten sondern reine Unterhaltung gesendet wurden
.
4.) Staatliche Koordination und Lizenzierung gesellschaftlicher und privater Veranstalter. Beispiel Schweiz.
5.) Autonome Organisationen des öffentlichen Rechtes über die ein Gremium wacht. Diese Gremien sind pluralistisch zusammengesetzt. Beispiel Deutschland (siehe oben)
6.) Staatlich lizenzierte autonome Organisationen, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in GB.
7.) Staatliche eingerichtete Sender denen aber Selbstverwaltung und redaktionelle Handlungsfreiheit zugestanden wird. Beispiel Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Frankreich.
8.) Staatlich organisierte Sender ohne redaktionelle Autonomie. Mehrzahl der Länder.
9.) Von der Staatspartei oder dem totalitären Regime gelenkte Staatssender. Beispiel Medien im Dritten Reich, China, Cuba.
Medien in Deutschland
Die politischen Funktionen der Presse sind in § 3 der Landespressegesetze festgeschrieben: Die Presse erfüllt eine öffentliche Aufgabe, wenn sie in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt, Kritik übt oder auf andere Weise an der Meinungsbildung mitwirkt.
Printpresse:
Die Printpresse ist in Deutschland schon immer privatrechtlich organisiert. Es gibt daher keine direkte Abhängigkeit der Presse von der Politik. Ausnahmen bildet hier die Parteipresse; so unterhält die CDU ein eigenes Mitgliederblatt. Ein weiteres Problem ist die Finanzierung von Printmedien – so stieg beispielsweise die SPD als Geldgeber temporär bei der Frankfurter Rundschau und der tageszeitung (taz) ein; löste die Verbindung später aber wieder (nicht zuletzt um dem Verdacht einer Vermischung von Politik und Presse entgegenzuwirken).
TV
Die deutsche TV-Landschaft wird als die Ausbalancierteste der der Welt beschrieben. Neben den privatrechtlichen Anstalten, die ihre Einnahmen alleine aus Werbung finanzieren, und die daher nicht von der Politik abhängig sein können, finden sich in Deutschland viele öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten. Diese finanzieren sich zwar aus Gebühreneinnahmen (GEZ) und Werbung und sind daher nicht direkt abhängig; allerdings werden sie von Gremien kontrolliert in denen auch Politiker sitzen. Zwar wird in der Theorie auf eine ausgewogene Mischung der Rundfunkräte geachtet (Gewerkschaften, Kirchen und Vereine, die einen Querschnitt der Bevölkerung darstellen sollen) allerdings sind hier auch Politiker zugelassen. So finden sich beispielsweise im Fernsehrat des ZDF mehrere Bundestagsabgeordnete und im Rundfunkrat des SWR Minister, Staatssekretäre und Landtagsabgeordnete. Kritiker verweisen darauf, dass eine unzulässige staatliche Einflussnahme auf die Gremien des Senders genommen werde, die nicht mit der aus Artikel 5 Grundgesetz abgeleiteten Staatsfreiheit vereinbar ist. Allerdings sind Rundfunkräte nicht am Tagesgeschäft beteiligt oder können Agenda-setting betreiben – ein direkter Einfluss ist daher nicht gegeben.
Wichtig: Der Begriff des dualen Rundfunksystems beschreibt in Deutschland die gegenseitige Abhängigkeit von privat-rechtlichen und öffentlich-rechtlichen Sendern. Die Funktionsfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist nach dem BVerfG die Voraussetzung für die Zulässigkeit privat-rechtlichen Rundfunks. Bestünde die Gefahr, dass Privatsender die öffentlich-rechtlichen Anstalten verdrängen, würde der Privatrundfunk automatisch verfassungswidrig.
Den Öffentlich-rechtlichen Anstalten kommt dabei eher die Aufgabe der Grundversorgung mit Nachrichten und Informationen zu, die ein inhaltlich pluralistisches Programmangebot darstellen soll, als den Privat-kommerziellen Sendern. Trotzdem können sich die privaten einem Mindestbeitrag zu dieser Grundversorgung nicht entziehen; bei einem dauerhaften Verstoß gegen dieses Gebot droht der Entzug der Sendelizenz.
Dritte Säule im Rundfunksystem ist der „Offene Kanal“ oder „Jedermannsfunk“ – hier kann jeder Bürger senden, solange er nicht gegen geltendes Recht verstößt. Medienwissenschaftler sprechen auch von einer trialen Rundfunkordnung.
Rundfunk
Siehe TV; Einteilung in private und öffentlich-rechtliche Sender.
Massenmedien in den USA
1.) TV
In den USA findet sich im Gegensatz zu Deutschland kaum öffentlich-rechtlichen TV-Sender, Radio oder Printpresse, fast alle Massenmedien sind privat finanziert.
Die wenigen öffentlich-rechtlichen Sender die existieren sind unabhängig, sollen dem Gemeinwesen dienen, werden vom Staat finanziert und werden beim Sendebetrieb durch drei nationale Organisationen unterstützt:
1. Public Broadcasting Service (PBS): technischer Betreiber des öffentlichen Satellitensystems
2. Corporation for Public Broadcasting (CPB): vom Kongress gegründet, verteilt staatliche Gelder auf Sender
3. Association of Public Television Stations (APTS): unterstützt Sender bei Recherche und Organisation
Die Medienlandschaft ist einerseits hochgradig konzentriert, d.h. die Sender CBS, ABC, NBC und Fox geben einen Mantelteil heraus (auch genannt „Bund“; landesweite News), der von lokalen Sendern des Netzwerkes gesendet wird. Die lokalen und regionalen Sender ergänzen den Mantelteil mit regionalen Themen.
Unterschied zu Deutschland: Auch in Deutschland gibt es überregionale Sender (privat und öffentlich), die einen Mantelteil senden, der von regionalen Sendern ergänzt wird. Unterschied ist, dass die Anteile von regionalen und somit Selbsterstellen und gleichgeschaltetem Bundesteil gesetzlich vorgeschrieben sind. Somit wird gewährleistet, dass der Pluralismus gefördert wird. In den USA gibt es diesbezüglich keine gesetzliche Regelung; es weitgehend gleichgeschaltete Berichterstattung statt. Dies würde dem Verfassungszusatz, der Gründer widersprechen, der unter anderem festlegt: “Der “Kongress darf kein Gesetz erlassen, … dass die Rede- oder Pressefreiheit…einschränkt.”
Eine logische Folge dieser Klausel ist die Überwachung von und Berichterstattung über die Handlungen der Regierung offizielles Fehlverhalten und Verstöße gegen die Rechte des Einzelnen. Aber: Auch wenn die Verfassung eine Regulierung der Medien strikt untersagt, kam es in den 1990er Jahren aufgrund großer Proteste der Öffentlichkeit und des Kongresses zu (Selbst-)Regulierungen der privat-rechtlichen Sender. So verpflichteten sich die vier großen Sender beispielsweise dazu, Warnhinweise über nicht-jugendfreie Filme einzublenden.
2.) Printmedien in den USA
Zeitungen
Während im 19. Jahrhundert Zeitungen vorwiegend lokale Zeitungen ohne Verlagshaus existierten, übernahmen im 20. Jahrhundert die so genannten “chain-newspapers” die Medienlandschaft. Chain-Newspaper sind verschiedene Zeitungen eines Verlages. Heute besitzen 400 Verlagshäuser mehr als 1300 Tageszeitungen, lokale Zeitungen ohne Verlagshaus machen nur noch 25 % der Printmedien aus.
Trotzdem ist der Pressemarkt eindeutig USA lokal orientiert: Es gibt mit Ausnahme des Boulevardblattes USA Today keine einzige Nationalzeitung. Vielmehr haben regionale Zeitungen den Markt so abgedeckt und untereinander aufgeteilt, dass eine Nationalzeitung nur schwer entstehen kann. Es finden sich zwar Zeitungen wie das Wall Street Journal, die landesweit verbreitet werden und eine hohe Auflage besitzen, jedoch sind diese aufgrund des thematischen Schwerpunktes als Fachzeitung zu sehen.
Unterschied zu Deutschland: Neben vielen Zeitungen, die nur einen regionalen Markt bedienen, finden sich mehr als ein Dutzend nationale Zeitungen (Süddeutsche, FAZ, FR, Bild usw.) In Deutschland wird das Konzept eines Mantelteils konsequent genutzt; so gibt beispielsweise die Bildzeitung einen Mantelteil heraus, der von lokalen Redaktionen um Themen vor Ort ergänzt wird. Dieses Konzept findet sich in den USA nicht.
Magazine
Vier Magazine in den USA (Time, Newsweek, U.S. News, World Report) haben aufgrund ihrer hohen Auflage, der nationalen sowie internationalen Verbreitung einen hohen Einfluss auf den öffentlichen Meinungs- und Willensbildungsprozess.
Fachmagazine
Es gibt eine große Bandbreite von Magazinen mit Fachschwerpunkt. Auch wenn sie teilweise auf sehr hohem intellektuellem Niveau operieren ist ihr Einfluss auf Meinungsbildungs- und Willensbildungsprozesse als eher gering anzusehen, da sie nicht über die nötige Verbreitung verfügen und eben keinen politischen Schwerpunkt setzen.
Fachmagazine mit politischem Schwerpunkt weisen hingegen tendenziell einen pro-israelischen Standpunkt auf, unabhängig welcher politischen Couleur sie zuzuordnen sind.
Die Gründungsväter ermöglichten mit dem Zusatzartikel der Verfassung die erste Mediendemokratie der Welt. Nur in wenigen Ländern genießt die Presse derart wenige politisch-rechtliche Einschränkungen. Dies führte dazu, dass Massenmedien zum Watchdog der amerikanischen Demokratie wurden und über die Politik wachten. In den 1970er Jahren deckte investigativer Journalismus den Watergate-Skandal auf, Präsident Richard Nixon musste zurücktreten. Heute bestimmen triviale und nur vermeintlich politische Themen den Journalismus: der Irakkrieg ist unwichtiger als Bill Clintons Affäre, ob Bushs Töchter Alkohol trinken wichtiger als die Außenpolitik.
Das Verhältnis zwischen Politik und Medien soll in einer Demokratie möglichst ausgeglichen sein. Dies setzt einerseits voraus, dass Medien nicht von der Politik abhängig sind (sei es die Kontrolle durch ein politisches Gremium oder die Finanzierung) und andererseits, dass die Politik den Medien eine unabhängige Rolle im ZPES zugesteht. Lange Zeit war die Politik in vielen Ländern der Hauptgrund für eine unterentwickelte oder eingeschränkte Presse. In den letzten Jahren ist aber ein weiteres Problem hinzugekommen: die zunehmende Ausrichtung von Medien nach kommerziellen Gesichtspunkten. Der Druck hohe Einschaltquoten bzw. Auflagen zu erreichen um möglichst hohe Renditen zu erreichen, hat dazu geführt, dass Medien verstärkt ökonomischen Handlungsrationalitäten folgen. Politik wird verstärkt unter der Maxime der Zuschauermaximierung behandelt und dargestellt. In Deutschland kann sich zumindest der Öffentlich-rechtliche Rundfunk teilweise dieses ökonomischen Drucks entziehen; in den USA hingegen wird nur das gesendet, was der Gewinnmaximierung förderlich ist.