Farbmanagement: Fehler vermeiden

Es gibt nur ganz wenige Dinge, die mir Schweißperlen auf die Stirn treiben. Von Sport und Sauna mal abgesehen, vor allem alles was mit Farbmanagement zu tun hat. ICC-Profile, Softproofen, kalibrieren. Diese Angst vor Farbmanagement kommt nicht von ungefähr. Vor drei Jahren haben ein Kollege und ich einen Weihnachtskalender mit einem Motiv des Passauer Weihnachtsmarkts rausgegeben. Der Plan schien simpel und erfolgsversprechend: das Motiv war schön kitschig, die Schokolade lecker, weil von der lila Kuh, Konkurrenten gab es nicht. An jeden 20. Passauer wollten wir einen Kalender verkaufen, bestellten also 2500 Kalender.

Ende November standen dann drei riesige Paletten im Büro. Das Begutachten der Kalender ein Schlag in den Magen: der Grafiker hatte weder das korrekte Profil eingebunden, noch den Tonwertzuwachs Miteinberechnet. Die Farben waren dementsprechend super-knallig, einige Bildteile hoffnungslos abgesoffen.

weihnachtskalender.jpg

Zum Glück war die Idee besser als die Ausführung – wir haben damals fast alle Kalender verkauft. Trotzdem war es eine gewisse Schmach für mich; der eigene Name hängt ja immer ein wenig mit am Produkt und mir war es ziemlich peinlich wenn mich Fotografen oder Grafiker auf den Kalender ansprachen.

Lesson learned: Engagiere jemanden, der sich damit wirklich auskennt. Das ist nicht nur stressfreier, sondern auch billiger (vor allem wenn man sich überlegt was es kostet einen solchen Auftrag einstampfen zu lassen und erneut zu drucken).

Seitdem habe ich alles bei einer mittelständischen Druckerei vor Ort in Auftrag gegeben. Datei persönlich abliefern, ein Hardproof erstellen lassen, mit dem Techniker reden. Der weiß am besten wie er Farbstiche korrigieren und gegensteuern kann. 10 Euro für die Kaffekasse oder einen Kasten Bier mitnehmen und man ist auch beim nächsten Mal ein gern gesehener Kunde.

Lesson learned: Hardproofen lassen. Kostet üblicherweise mehr, es rechnet sich aber.

Mittlerweile wohne ich ja wieder in Ffm, eine Fahrt nach Passau um eine Visitenkarte drucken zu lassen hätte sich nicht gelohnt. Deswegen habe ich letzte Woche zum ersten Mal wieder bei einer Internet-Druckerei bestellt. Und zwar bei Laser-Line in Berlin. Was mich überzeugt hat:

    - die FAQ ist sehr ausführlich und auch für Normalos verständlich. So wird beispielsweise erklärt wo man sich die nötigen ICC-Profile herunterladen kann und wie man diese in Photoshop anwendet
    - Hardproofen und Nachkorrektur ist gegen Aufschlag möglich
    - die Preise im Vergleich zu anderen Druckereien sind okay, die Sonderangebote sogar teils richtig gut.

Heute kam die Bestellung an, ich bin ziemlich zufrieden mit den Farben. Bei den Kontrasten und extremen Farben hatte ich wirklich Angst. Und natürlich, dass die Hautfarbe nach Schweinchen-Rosa aussieht. Hatte mich übrigens gegen hardproofen entschieden – hätte sich für ein paar Visitenkarten dann doch nicht gerechnet.

visitenkarte.jpg

Lesson learned: FAQs richtig lesen, Angst überwinden ;-)

Übrigens: eine gute Einführung zum Thema Farbmanagement findet sich hier.

2 Kommentare
andreas 07.02.2008

hallo tim,
laser-line hat mich auch ueberzeugt. fuer die geburtsdanksagungen war ich sehr skeptisch (speziell in bezug auf das farbmanagement). das ergebnis war absolut gelungen und bekam durchweg positives feedback:
http://www.flickr.com/photos/pixlux/2249259116/in/set-72157594305036498/

8mt 08.02.2008

Also ehrlich. Wenn es um Geld geht und nicht um Spaß, gibt es nur zwei Stichworte: Hardproof und Druckabnahme persönlich vor Ort.

Die Adventskalenderüberfärbung find ich aber süß. Das muss sie ja auch sein. Bei dem Inhalt… ;-)

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