Foto: Ohne Info inhaltslos
Vor irgendeiner *superwichtigen* Kirche in Osteuropa. Welche Kirche es war, weiß ich nicht mehr. Auch nicht mehr in welchem Land sie sich befindet. Wenn ich mich festlegen müsste, dann würde ich behaupten es war in Bukarest, Rumänien und ich meine mich ganz dunkel daran zu erinnern, dass es sich um „den Vatikan des Ostens” handelt. Es hat zwei Gründe, warum ich es nicht mehr weiß:
1.) Während die anderen dem Reiseführer lauschten, lag ich in der Kerzenabbrennwanne und versuchte meinen Shot zu bekommen.
2.) Diese 14-Tage-Touren durch acht Länder haben es an sich, dass man bereits am nächsten Tag nicht mehr weiß, was man gestern gemacht hat und in welchem Land man war. Nun gut, zumindest ich tendiere das zu vergessen.
Ergo? Keine Hetzreisen buchen. Zweitens: man muss sich entscheiden: entweder man genießt (und verinnerlicht und hat zumindest die Chance zu behalten) oder man macht seinen Shot.
Ich frage mich gerade was wichtiger ist. Ist die Hauptsache das Foto zu machen? Oder ist es wichtiger das Foto in einen Kontext stellen zu können? Brauche ich zwingend beides? Ist ein Foto wie dieses ohne die notwendigen Hintergrundinformationen gänzlich wertlos?
Und wenn ich schon beim Grübeln bin: welches ist das bessere Foto – Blick in die Ferne oder Blick in die Kamera?

Das bessere Foto ist der Blick in die Kamera. Sie hat Dich entdeckt.
–> Es ist wichtiger, dass Foto zu machen – darum geht es doch bei der Fotografie..oder? ;)
Ich finde glaube ich Bild 2 besser, weil die gute Frau einen direkt anschaut und so mehr Ausdruck im Bild ist. Allerdings ist ein Kontext zum Bild schon spannender. Warum hat die Frau so einen Spachtel in der Hand. Warum sind Kerzen abgeknickt?
Die Frage ist doch ob man überhaupt das Foto machen kann ohne den Kontext verstanden zu haben.
Fotos erzählen doch auch immer eine Geschichte, wie sollen sie das denn wenn der Fotograf die Geschichte selber nicht verstanden hat?
In dem Fall ist es vielleicht nicht wichtig wo die Kirche steht etc.
Aber als Fotograf musst du selber wissen was eine Kirche ist, was in einer Kirche passiert und so weiter.
Zu den beiden Fotos: Ich find das obere mit dem Blick in die Ferne besser.
Ob die Bildbeschreibung wichtig ist, kommt drauf an, wie man die Bilder verwendet.
Wenn kein Modelrelease der Frau vorhanden ist, kommt eine Veröffentlichung sowieso nicht in Frage. Also ab ins Archiv.
Für “Hetzreisen” wäre Geo-mapping ideal, ein GPS-Empfänger zeichnet für jeden Zeitpunkt (und damit für jedes Foto) die aktuelle Position auf.
Daheim am PC kann man dann seine Bilder den Standorten zuordnen, wo sie entstanden sind.
http://fotoblog.validome.org/news/Sony-Kameras-mit-Sony-GPS-CS1-Positionierungssystem-314.html
http://fotoblog.validome.org/uploads/sony_gps_cs1.jpg
P.S.: Bild 2 ist besser.
Torsten:
Bei der Fotografie schon, ja. Aber wenn man den Anspruch hat zu dokumentieren, dann nützt einem das „beste“ Foto nichts…
Jens:
Ups, die Info hätte ich tatsächlich geben können und müssen: sie ist diejenige, die die Kerzen verkauft und die abgebrannten entfernt; daher der Spachtel in der Hand.
Bastian:
So hatte ich es noch nicht gesehen, ja, ja. Jein: es ärgert mich trotzdem, dass ich nicht mehr sagen kann: Das ist die Kirche in X, diese Kirche ist aus diesem Grund wichtig, und davor steht diese Frau usw.
Christian:
Ja
Theoretisch sehr ja, aber ich bin da teils ein wenig krude – zumindest für Editorial würde ich es mit ein wenig Bauchschmerzen freigeben und das Risiko tragen.
Zum Thema Geomapping: Ja, das steht an. Hätte zwar nie gedacht, dass ein GPS mir sagen muss in welchem Land ich mich mal befunden habe, aber anscheinend ist es bei meinem Siebhirn notwendig ;-)
Natürlich sind mehr Informationen immer besser. Allerdings würden die das Foto an sich nicht besser machen. Das Foto ist an sich schon gut weil du eben die wichtigsten Informationen über Christentum, speziell Kirchen, kennst und mit den Gebräuchen vertraut bist.
@tim
ohne gutes Foto kommt der “Inhalt” nicht rüber… und wenn es um ein gutes Reportage-Foto geht…ist das FOTO an erster Stelle… dann kommt der INHALT/Fotobeschreibung.
Die beiden Sachen bauen zwar aufeinander auf… ich setze dennoch die Qualität des Fotos an erster Stelle.