Robert Lebeck – große Fotos mit kleiner Ausrüstung

robert-lebeck.jpg Robert Lebeck wurde mit seinen Fotos der trauernden Jackie Kennedy am Sarg ihres Mannes, Romy Schneider beim Spiel mir ihrer Tochter oder Willy Brandt und seiner Frau Rut beim Eselreiten berühmt. Das ZDF hat einen kleinen Beitrag über den Fotojournalisten Robert Lebeck anlässlich der Verleihung des Henri-Nannen-Preises für sein Lebenswerk online gestellt. Ein charmanter Kerl, jemand der es nicht nötig hat sich zu produzieren.

Ich möchte mal zwei Aussagen herausgreifen:

    1.) Ich bin kein Fotograf, sondern nur ein ganz normaler Fotoreporter. Sinngemäß: „Ich kann das alles nicht, ausleuchten und Hintergrund.“

    2.) “Ich hab immer wenig Ausrüstung dabei gehabt. Eine kleine Kamera. Zwei Leicas. Das genügte einfach. Ich hab noch nicht mal das ganze Zubehör wie Filter, Gegenlichtblende und Blitz. All diesen Umstand.”

Besonders den zweiten Punkt kann ich sehr gut nachvollziehen. Nachdem ich jahrelang meine Ausrüstung ausgebaut, mir alle möglichen schönen Objektive und Zubehör-Schnickschnack vom Mund abgespart habe, bin ich mittlerweile zum Puristen mutiert.

Eine Kamera, ein Objektiv und ein Blitz – der Rest bleibt zuhause. In letzter Zeit bin ich sogar nur mit der kleinen Kamera und einem Zoom unterwegs – und ich bin sehr zufrieden damit. Während ich das anfangs unter dem mentalen tag „Ausrüstungs-Askese“ verbucht habe, muss ich mittlerweile sagen, dass diese Form der „Enthaltsamkeit“ etwas ganz besonderes zurückgegeben hat: die Konzentration auf das Motiv.

7 Kommentare
Bastian 25.06.2007

Ja, oft liest man ja leider “wenn ich nur Objektiv XYZ” oder ganz allgemein Ausrüstungsgegenstand ABC hätte, dann würd ich auch tolle Fotos machen…

Ist meiner Meinung nach meistens Unsinn.

Gute (und auch mehr als gute) Ergebnisse kann man auch mit einfacher Ausrüstung erzielen, denn im Endeffekt liegt es doch an der Person hinter der Kamera und nicht an den Autofocuspunkten…

Christoph 25.06.2007

Dem kann ich mich nur anschließen. So mancher spart für ein 1.400 Euro Objektiv und macht deswegen noch lange keine Fotos, die dreimal soviel wert sind wie die, die ich mit meiner Fujifilm S 9500 mache.

martin 26.06.2007

Ich hatte das Vergnügen, in Stuttgart Lebeck’s Ausstellung “Unverschämtes Glück” zu sehen: Fotojournalismus par excellence! Und im digitalen Zeitalters des “pixel-peepings” zeigt uns manche sympathische Unzulänglichkeit der Analogen Fotografie, dass nicht Sensoren, Auflösung etc. ein Foto machen, sondern der Fotograf und die Fähigkeit, einen Augenblick zu gestalten.

Das gilt natürlich auch für die Ausrüstung: Will ich einen Fototermin mit Technik bezwingen? Oder lasse ich mich auf eine Auseinandersetzung mit dem Sujet und den gegebenen Umständen ein?

Und wenn es dann mit einer Niederlage endet?
Hätte ich mit einem noch größeren Koffer die Lage wirklich entscheidend verändern können?
Ich glaube, es gibt einen Punkt, wo die Menge an Ausrüstung nicht mehr in Qualität umschlägt, sondern eher ein Hindernis wird.

Nur Mut! Mit einem 28er und einem 50er in der Tasche lässt sich viel anstellen!

Lars 26.06.2007

Ja, so ist es. Ich bin glücklicherweise auch geheilt :-)). Ich ziehe mittlwerweile sogar bewusst mit meine 20D und dem 50er Objektiv los. Das Zoom habe ich in den Beinen!

Tim (FOTONEWS-Blog) 27.06.2007

Bastian: Hehe, die Autofocuspunkte ;-) Bei mir ist oft der in der Mitte fixiert und dann nutze ich den AF-Lock – die restlichen nutze ich eher selten.

Christoph: dito

Martin: Ja, ich meine zu glauben genau zu wissen, was du mit „sympathischen Unzulänglichkeit der Analogen Fotografie“ meinst. Habe heute einen entwickelten Film abgeholt (mit einer Wegwerfknipse geschossen) – es war nichts perfekt: Verzerrungen, falscher Fokus usw usf. Aber die Fotos hatten einfach diesen analogen Charme. Und den vermisse ich immer mehr bei der digitalen Fotografie. Weiß schon, weiß schon: es gibt genug Filter um analogen Film zu simulieren – aber das ist nicht mein Ding.

Das gilt natürlich auch für die Ausrüstung: Will ich einen Fototermin mit Technik bezwingen? Oder lasse ich mich auf eine Auseinandersetzung mit dem Sujet und den gegebenen Umständen ein?

Nun ja, auf einen bezahlten Termin nehme ich tendenziell eher ein wenig mehr als zu wenig mit. Obwohl ich im Vergleich zu anderen Kollegen eher puristisch bin. Aber definitiv: es kann ein wirkliches Hindernis sein, wenn man anfängt darüber nachzudenken, welche der Festbrennweiten man denn nun nimmt.

Lars: ;-) solange das Zoom in der Hose bleibt ist ja alles in Ordnung.

martin 27.06.2007

Tim,
eine Anmerkung zum den AF-Punkt in der Mitte und recomposing:

http://thepubliceyeblog.blogspot.com/2007/01/scharf-schrfer-am-schrfsten_07.html

Claudia 27.06.2007

Habe die Lebeck-Ausstellung in Stuttgart auch gesehen und seinerzeit darüber berichtet. Mich interessiert die reine, klassische, “immer vorne dabei” – Reportagefotografie nicht so sehr, wenn schon Reportage, dann lieber Features. Ich fand es dennoch spannend, den Menschen Lebeck mal zu erleben und auch seine Farbfotos zu sehen.

Zum mitgeschleppten Equipment: “wenig Ausrüstung” und “zwei Leicas” – diese beiden Aussagen kann man auch als Widerspruch betrachten :-). Bin natürlich auch eine Anhängerin der Minimalismus-Theorie.

Martin, du machst mir alles kaputt mit deiner “Recomoposing”-Anmerkung :-(. Die Zeit, die ich brauche, um zum richtigen Messpunkt zu surfen, nutzt doch mein Objekt, um sich heimlich zum wieder anderen Messpunkt zu schleichen. Oder? (Hab zum Glück eh nur drei Messpunkte und nutze in 90 % der Fälle nur einen.)

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