Bürger Fotojournalismus
Eine meiner Meinung nach gute Zusammenfassung zu den jüngsten Entwicklungen im Bürger-Fotojournalismus gibt es vom NDR. Beleuchtet werden unter anderem die Praktiken der Saarbrücker Zeitung, der Readers Edition der Netzeitung und der Bild. Ich picke an dieser Stelle mal ein paar Aussagen heraus und gebe meinen eigenen Senf dazu, vorher empfehle ich aber sich den Beitrag anzusehen / durchzulesen.
Hans Kleinsteuber, Professor für Politische Wissenschaft Universität Hamburg:
Im allerschlimmsten Falle kann man sich sogar vorstellen, dass Menschen so verquer denken, dass sie selbst die Unfälle oder Katastrophen erst schaffen, die sie dann ablichten, um dafür Geld zu verdienen.
Naja, doch ein wenig übertrieben. Wichtiger finde ich folgendes Argument gegen diese Art des Bürgerjournalismus:
Dort liegen Schwerverletzte. Und wenn der erste Impuls eines Menschen, der dort vorbei kommt ist: „Oh, ich mach Fotos davon.“, dann ist das irgendwie auch Ausdruck einer zynischen, kalten Gesellschaft. Das ist für meine Begriffe auch rechtlich nicht zulässig, weil der natürlich eine Verpflichtung zur Hilfe und zum Beistand hat.
Gut, dieses Argument ist ja zunächst auch auf einen Berufsjournalisten anwendbar. Dadurch, dass wir aber die Meldung über Ticker (oder wie bei uns in Niederbayern per SMS) erhalten und dann erst zum Einsatzort fahren, ist die Versorgung von Verletzten bereits gewährleistet. Bei Bürgerjournalisten ist dies anders: sie kommen ja i.d.R. zufällig vorbei und sind möglicherweise wirklich die ersten am Unfallort. Ich kann daher Hans Kleinsteuber nur zustimmen.
Fotos und Beiträge können bei der Saarbrücker Zeitung über
http://www.sol.de/news/reporter/ eingereicht werden. Bemerkenswert Unverschämt ist, dass die Leserreporter folgende Einverständniserklärung abgeben müssen: Die Saarbrücker Zeitung sowie die Medien der SVS GmbH dürfen das gesendete Bildmaterial kostenfrei veröffentlichen
Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung:
“Wir möchten mit Honoraren nicht die Leser dazu animieren, dass sie Rettungskräften im Weg stehen oder sich selbst in Gefahr begeben.”
Was nun? Leser werden animiert Fotos zu machen, erhalten aber kein Honorar weil es gefährlich sein könnte? Eine abenteuerliche Ausrede um Leute nach dem AAL-Prinzip arbeiten zu lassen. Laut NDR hat die Saarbrückener Zeitung bereits 200 Beiträge veröffentlicht. Ich weiß jetzt nicht, ob bei jedem Artikel ein Foto dabei war, aber wenn dem so wäre, kann man davon ausgehen, dass die SB damit schon einen stattlichen Vierstelligen Betrag gespart hätte. Also entweder die Leute sind Journalisten (mit den einhergehenden Rechten und Pflichten), dann werden sie auch entlohnt wie Journalisten. Oder man sagt: Leute, das kann gefährlich sein. Lasst es.

ich warte ja nur darauf das mich mal so ein” bürgerjournalist” bei der arbeit fotografiert.
ich kenne meine rechte.
gruß horst