Eingefrorene Stille
Vor einer Weile stand ich an dieser Stelle. Es war ein guter Moment: die Wärme des südafrikanischen Herbstes gepaart mit einer angenehmen Brise, wogende Brandung saugt und peitscht an die Küste, Schaumkronen spritzen, Möwen segeln und wiehern. Ich fühlte mich ein wenig wie Michael Poliza.
Klack, Szene festgehalten. Zuhause dann die Ernüchterung. Die Wellen sind eingefroren, nichts wogt mehr. Das Glucksen des Meeres, die Vogelgeräusche und das Wehen der Brise? Verloren gegangen, ausgeblendet. Sie ließen sich einfach nicht auf das Foto bannen. Dieser Moment der Erkenntnis war wichtig. Sich der Schwäche des Mediums bewusst zu werden. Man gewöhnt sich schnell an die Limiterungen eines Mediums, eines Programms, eines Werkzeugs. Umso wichtiger war es, von der Stille des Fotos wachgerüttelt zu werden.
Soundslides war der erste Schritt um an diesen Limitierungen zu kratzen. Ein Zwischenschritt, der nur eine logische Folge haben konnte: Video. Seit ein paar Wochen bin ich nun am Experimentieren mit bewegtem Bild. Antagonistischer könnten die Gefühle nicht sein: vom breiten Grinsen ob der rasierklingenscharfen Bilder eines HD-Camcorders bis zu den totalen Frustmomenten, wenn mal wieder gar nichts funktioniert.
Wie obiges Bild war es ein wenig eingefroren und still hier im Blog. Und der geneigte Leser wird ahnen, dass sich die Thematik dieses Blogs in Zukunft ein wenig verschieben wird. Von starr zu bewegt, von leise zu laut.

Darf man fragen, was für einen HD-Camcorder Du Dir zugelegt hast?
Canon HV20.
Weil er verdammt gut abgeschnitten hat:
http://www.camcorderinfo.com/ratings.php
Ich war kurz davor mich für den HF10 oder HF100 zu entscheiden, allerdings steckt AVCHD noch in den Kinderschuhen.
Jetzt frage ich mich aber, ob der Schritt vom Bild zum Video denn auch wirklich ein Kratzen an der Limitierung ist. Denn jedes Medium hat seine ganz eigenen Vorteile. Ein Video der obigen Szenerie würde sie mir komplett ins Gesicht klatschen – und kann im richtigen Moment perfekt sein. Das Bild allerdings, genau dieser festgefrorene Moment, regt meine Fantasie an, regt alle Sinne an sich auszudehnen. Ich muss die Möven hören, das Meer riechen, die Luft schmecken, alles in meinem Kopf. Das Zuvor und das Danach passiert genau an der Stelle an der es am meisten wirkt – in meiner Vorstellung. Durch die Limitierung wird zumindest bei mir mehr freigesetzt. Es ist genau wie mit dem alten Streit Farbe gegen s/w. Wenn du die Farbe nicht brauchst um deine Botschaft rüberzubringen, dann weg damit.
Ja und Nein. Limitierung meine ich hier im Sinne von Grenze. Und die ist bei Fotos nun mal Audio und “bewegen”.
Ob das eine jetzt besser ist als das andere, ist eine andere Frage.
Ich finde Fotos vom Meer immer sehr problematisch, weil das Meer so reiche Sinneseindrücke beinhaltet. Das kann man leider kaum festhalten. Selbst wenn man Video (hören, sehen) mit einer Wind/Geruchs-Installation verbinden würde… Das Feeling ist anders.
Aber man sollte ein Foto an so einer hohen Messlatte nicht messen, dass kann (und will) ein Bild doch nicht leisten.
Gut geschrieben. Das kann das Foto einen Blick länger halten, wenn es gut gemacht ist.
“Gut geschrieben”, dem schließe ich mich an. Die Antworten haben mich arg enttäuscht. Schade!
Wenn man mich fragt, an welchen Ort, bzw. in welches Land der Welt ich ein Mal in meinem Leben möchte, würde ich jedes Mal (und mache es auch seit 20 Jahren!) sagen: Südafrika!!! Die Landschaft, die du (und auch andere) auf Fotos festhaltet, ist schon so unglaublich, dass ich mir gar nicht vorzustellen vermag, wie es in Realität aussieht, wenn man alles durch die eigenen Augen erblicken kann. Da bekomme ich glatt Fernweh…